Urlaubstagebuch Nordspanien vom 31.08.02-15.09.02

Samstag, den 31.08.02
Gefeuert von Bilbao bis Bermeo
119 km, 17 Leuchtfeuer, davon 3 Leuchttürme

Um 12:00 ging es mit Verspätung in den Urlaub. Verspätung wegen uns! Wir hatten die letzten beiden Plätze der überbuchten Maschine, aber der Computer wollte uns wegen mangelnder Anzeige des Gewichts der Maschine nicht mitnehmen. (Nein, nicht wegen meinem Übergewicht!). Aber das hatte auch sein Gutes, denn dadurch saßen wir in der Business-Class, kriegten warmes Essen und nicht den drögen Mist aus der Economy.
Nach so viel Glück muss dann ja Pech kommen!
 Steilküste in der Nähe von Bilbao Wir wollten bei dieser Ankunft cleverer sein. Alex sollte das Mietauto in Empfang nehmen während ich auf des Gepäck warte. Es war nur ein Fehler bei der Geschichte: Alex hatte die Kofferabschnitte und ich hatte meinen Führerschein! Alex brauchte meinen "Lappen" und ich die Abschnitte weil das Fahrrad nicht auf dem Band war.
Aber das Fahrrad sollte mit dem Nachtflug aus Frankfurt nachkommen und so nahmen wir den Mietwagen entgegen und machten uns auf unseren langen Weg. 565 Leuchtfeuer hatten wir vor uns!
Als erstes kam der Leuchtturm von Punta Galea. Traumhafte Steilküste, tosende Brandung und das Wetter klarte auch etwas auf. Zuerst war ich ja enttäuscht weil der Himmel verhangen war, aber Alex empfand das als optimales LF-Wetter. Gute Weitsicht, angenehme Temperatur von 21-25°.
Schon beim 2. LT vermisste Alex sein Rad. Die Straße dahin ging durch ein Naturschutzgebiet und war nicht mit dem Auto befahrbar.
Ich konnte mich an der Gegend gar nicht satt sehen. Alles erinnerte an Bayern. Berge, grüne Wiesen, viel Tannenwald, Nebelschwaden, die in den Tälern hingen und sogar bayerische Kühe. Da man durch die bewaldete Steilküste das Meer meistens nicht sah, hatte man wirklich nicht den Eindruck auf LF-Tour zu sein.
 Nordspanien, nicht Bayern Auf der Küstenstraße von Bakio nach Cabo Maxtixado hatte ich die erste Stresssituation als Autofahrer. Es muss irgendwo in dieser gottverlassenen Gegend ein Fest gewesen sein. Es liefen Leute in Trachten rum, und überall parkten Autos. Die Küstenstraße war so zugeparkt, das der Bus vor mir teilweise nicht durch kam. Aber ein paar Basken nahmen die Situation in die Hand, regelten den Verkehr, lotsten Autos zentimeterweise an einander vorbei.
Unser letztes Feuer des ersten Tages war in Bermeo. Da die Zimmersuche dort nach Michael Müller schwierig war, sind wir nach Guernica weitergefahren. Die ist der Ort der Pate stand für das gleichnamige Bild von Picasso.
Die Pension haben wir nicht so leicht gefunden. Schön war das Zimmer nicht, aber zweckmäßig. Aussicht auf einen Hinterhof-Schacht. Dafür haben wir den Chinesen innerhalb einer Minute ausgemacht. Die hatten leckeren Rosado de la Casa und so konnte ich auch gut schlafen.


Sonntag, den 01.09.02
Von Bermeo bis Pasaja
239 km, 52 LF, davon 7 Leuchttürme

Nach Frühstück (Nes-Cafe) und Frühsport (Alex musste das Auto holen) sind wir zurück zum Airport um das Fahrrad zu holen. Die Strecke dorthin durch die Berge war wunderschön, der Frühnebel hing in den Tälern, alles sah so frisch und grün aus. Eine sehr kurvenreiche Strecke, aber mit dem Peugeot 307 kein Problem.
 Elanchove Erstes Feuer war in Elanchove. Die Orte hier an der Küste erinnern mich an Südengland. Die Häfen haben durch Ebbe und Flut bedingt tiefe Molenmauern und bei Ebbe sind die Boote meterweise tiefer.
Man hat gar nicht den Eindruck in Spanien zu sein. Mal ist die Landschaft wie Bayern, die Kiefernwälder, die bis an die Steilküste gehen, erinnern an Dänemark und teilweise meint man in Cornwall zu sein.
Am morgen hatten wir einen Regenschauer, aber um Mittag kam die Sonne raus und es ist richtig schön warm geworden.
In Getaria haben wir 4 Engländer kennen gelernt, die auf einer Hafenmauer ein Picknick mit Wein veranstalteten. Die waren über 60 und auf dem Heimweg nach Portsmouth. Sie wollten die Fähre von Bilbao aus nehmen. Wir hatten viel Spaß bei unserem Informationsaustausch.
Anschließend stand San Sebastian auf dem Programm. Eine Hölle für Autofahrer. In einer Seitenstraße feierten die Basken, standen vor den Bars auf der Straße und ein paar ausgebrannte Mülltonnen säumten den Weg. Erst am nächsten Tag in den TV-Nachrichten merkten wir, dass das keine "Feier" war, sondern Ausschreitungen!
Eingekehrt sind wir in Pasaja, dem Industriehafen von San Sebastian. Die Gegend um unser überteuertes Hostal war nicht die Beste. Nach unserem abendlichen Kaffee machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Aber sonntags waren die meisten Lokale zu. Also haben wir unser Glück in der Tapas-Bar gegenüber versucht. Rauchgeschwängerter Raum, Fußballübertragung auf dem Großbildschirm aber die Tapas waren lecker und billig.


Montag, den 02.09.02
Von Pasaja bis Bilbao
276 km, 49 LF, davon 1 LT

Feuerbeginn war in Passaja. Alex musste mit dem Rad los. Es gibt halt natürliche und unnatürliche Schranken in Industriehäfen!!! Derweil saß ich in der Sonne und schwitzte! Das Wetter war ausgesprochen gut, kein Wölkchen am Himmel.
 Nahe der französischen Grenze Weiter ging es in Richtung französischer Grenze über eine Straße, die über einen Berggrat führte. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Bayern. Phantastisch. Nachdem wir Frankreich von Weitem gesehen haben und schon französische Musik im Radio hörten, wurde es Zeit die Grenzregion zu verlassen und über die Autobahn nach Bilbao zurück zu kehren. Dort erwartete uns kein Eldorado für Autofahrer. Enge Einbahnstraßen, kaum Parkplätze, großer Hafen. Dort kamen wir aber rein weil von da die Fähren nach Portsmouth abfahren. Die Zimmersuche in Bilbao gestaltete sich schwierig, weil die meisten Pensionen belegt waren. Wir sind dann 20 km weiter nach Castro Urdiales gefahren. Glückstreffer! Das Zimmer war groß wie ein Tanzsaal, hatte einen kleinen Erkerbalkon, auf dem wir Kaffee trinken und Hafen gucken konnten. Einziger Wermutstropfen: kein eigenes Bad! Dabei stand uns doch die große Waschaktion noch bevor! Alex hatte im Hafen von Bilbao seine Kameratasche in den Schlamm fallen lassen. Aber nicht in irgendeinen Schlamm, sondern in ein schwarzes Chemikalien-Erz-Dreck-Gemisch, was furchtbar gestunken hat. Eine unserer Wolldecken musste für die Sofortreinigung ihr Leben lassen. Unsere Schuhe waren voll und stanken ebenfalls furchterregend, dadurch natürlich auch der Fußraum des Autos. (Nachrichtlich: die Kamera war nicht in der Tasche!)
Ziemlich spät am Abend haben wir uns auf Restaurant-Suche gemacht. Was fanden wir nach langer Suche? Einen Chinesen!!! Anschließend gab´s noch ein Bier in einer kleinen Bar, dazu ein Klavierkonzert. Am Hafen war eine Bühne aufgebaut. Danach ging´s ins Land der Träume.


Dienstag, den 03.09.02
Von Bilbao bis Santander
200 km, 36 LF, davon 3 LT

Der Tag begann mit einem Sonnenaufgang über dem Hafen.
 Castro Urdiales mit Leuchtturm Nach den üblichen Ritualen ging es zurück ins Baskenland um die restlichen 7 Feuer zu schießen. Das erste war ein Warnfeuer, 450m über dem Meer. 250m Höhe habe ich mehr oder weniger freiwillig mit unserem Auto überwunden, aber dann war Schluss! Die Straße wurde ein Weg, ohne Leitplanke, und immer der Blick 250m nach unten.
Dann weiter nach Laredo. Dort gibt es einen großen Sandstrand mit Touri-Hochhäusern. Schrecklich!
Durch ein Gewirr von Morastseen, Flussarmen, Nebenkanälen, die alle befeuert waren, erreichten wir Santander, die Geburtsstadt unserer Kreditkarte. In einem Vorort hatte Alex einen Gewaltmarsch auf eine sandige Landzunge vor sich. Nach einer Stunde kam er kaputt zurück und wir beschlossen, heute mal früher Feierabend zu machen. Den Tagesdurchschnitt von 37 hatten wir knapp erreicht, also Pensionssuche. Wir fanden etwas in der Nähe des Casinos, viele Parkplätze, nettes Zimmer und englisch sprechender Besitzer. Man merkt das man aus dem Baskenland raus ist. Bei den Basken gilt ja spanisch bereits als Fremdsprache, da kann man doch nicht noch englisch lernen!!
Dieser nette Pensionsbesitzer empfahl uns ein italienisches Restaurant. (Wir waren immer noch nicht spanisch essen) Königsblau gestrichen, mit afrikanischen Masken dekoriert. Man bekam italienisches Essen, trank australisches Bier hörte Nina Hagen vom Band, und das alles in Spanien!
Hier in Kantalabrien ist die Gegend weniger "bayrisch". Es gibt größere Ebenen und die Straßen gehen länger als 200m geradeaus. Nur das Wetter hat uns etwas verlassen. Morgens schien noch die Sonne, doch dann zog es sich zu. Aber es sind immer noch 21-24°.


Mittwoch, den 04.09.02
Von Santander bis Lastres
266 km, 38 LF, davon 5 LT

 Gut getarnte Nonnen in San Vicente de la Baquera  Asturiens Küste In der Nacht hat es geregnet und das Nieselwetter hält noch an. Gegen Mittag klarte es auf. In einer Geröllbucht in der Nähe von San Vicente de la Baquera vergnügten sich 8 Nonnen. Sie trugen graue Kutten und waren gut getarnt. Die Gottesfrauen hüpften über Steine, sammelten Muscheln oder saßen einfach rum. Santiago de Compostela ist nah! Man sah viele Pilger weil unsere Strecke den Jacobsweg oft kreuzte. Allerdings ist nicht bewiesen ob die vielen Radrennfahrer auch aus Pilgerzwecken auf der Straße waren!
Mittlerweile waren wir in Asturien angekommen und die Landschaft änderte sich abermals. Hochgebirge das in sanfte Hügel überging, ähnlich wie Schottland.
 Hostal Miramar von Innen - die Fenster zum Meer Michael Müller empfahl im Reiseführer eine Pension in Lastres. Wir kamen in den Ort und wussten dass er mit der Aussage "Meerblick" recht hatte. Zwar war es mittlerweile kein Hostal mehr, sondern ein Hotel und preiswert ist auch was anderes (45,-€) aber die Aussicht war wirklich traumhaft. Eine Fensterfront ging nach Westen, die andere Richtung Hafen. Der Hafen lag viel tiefer, so das wir von oben drauf schauen konnten. Im Bad waren ebenfalls 2 große Fenster, eins davon in der Dusche, die schon für sich ein Traum war. Duschtasse von 1,20m x 0,90m. Man hätte darin tanzen können. Alex duschte bei offenem Fenster, mit Blick auf den Hafen. Als es dunkel wurde, konnten wir uns endlich von dem grandiosen Ausblick lösen und fuhren zu einem Restaurant hoch über der Bucht. Von da aus war der Ausblick noch phantastischer. Und was haben wir gegessen? Endlich spanisch!!!
Ich bestellte Pollo al aijoli und dachte dass ich ein halbes Hähnchen mit Knoblauchmayo kriegen würde. War aber anders! Ich bekam ein wild zerteiltes, knusprig gebratenes Huhn mit Pommes und....gerösteten Knoblauchscheiben. Die waren kross wie Chips. Total lecker.
 Der Hafen von Lastres - fotographiert aus dem Fenster des Hostals Nach dem Essen stand um Mitternacht der Friedhofsbesuch an. Jedes Land hat ja so seine Eigenarten die Toten zu begraben, oder einzumauern, wie es die Spanier tun.
Danach kamen wir auf die Idee, den nächsten Leuchtturm zu suchen. Ist ja vom Prinzip her einfach, weil man ja nachts das Licht sieht. Aber wenn man die passende Straße dorthin nicht findet, ist das doch schwierig. Als wir dann doch vor dem Turm standen , waren wir überwältigt. Er blinkte nicht einfach, sondern er strahlte. Einfach toll.


Donnerstag, den 05.09.02
Von Lastres bis Cudillero
238 km, 68 LF, davon 6 LT

Eigentlich konnten wir uns morgens gar nicht von unserer Aussicht trennen, aber der nächste LT lockte. Der Anblick bei Tage war ernüchternd. Die nächtliche Faszination war verflogen.
Weiter ging es nach Gijon, einem großen Industriehafen. Als wir den hinter uns gebracht hatten, kam der Fluss Aviles.  Punta del Castillo am Fluss Avilés (D1630) Der hat uns stückzahlmäßig weit nach vorn gebracht. Der Fluss war besser befeuert als eine Strandpromenade. An diesem Tag schafften wir 69 Stück.
In San Esteban de la Pravia wurde ich unleidlich. Der Arm tat weh vom vielen Kurven fahren, Ischias zwickte und nach 10 Stunden im Auto wollte ich Feierabend. Aber in Esteban war kein Zimmer zu kriegen, also weiter nach Cudellero. Laut Michael M. gibt es hier Pensionen. Der Ort ist an den Hang geklatscht, hat schmale und steile Gassen. In so einer Gasse hat Alex mich am nicht vorhandenen Straßenrand geparkt um nach einem Zimmer zu fragen. Die Fußgänger mussten ums Auto rum, der Verkehr wurde aufgehalten und meine Laune wurde immer depressiver. Alex kam zurück und hatte 3 Zimmer zur Auswahl. Ich wollte nur weg von der Straße und habe ihn wählen lassen. Und wo bin ich gelandet? Im Knast! Das Zimmer hätte Amnesty International nicht als Zelle zugelassen. So klein, dass man den Koffer nicht aufklappen konnte, Fenster zum Schacht hinaus, Bad unter der Kellertreppe mit Exremschräge. Einfach scheußlich.
Das war dann zuviel für meine angeschlagenen Nerven. Ich habe geheult wie ein Schlosshund. Alex hat dann alles rückgängig gemacht und wir zogen in ein Haus um, was ein Stück die Straße hoch lag.
Das Paradies! Ausgebautes Dach, riesengroß, mit Balkon. Allerdings war das Bad auf dem Gang, aber der hübsche Balkon entschädigte dafür. Warum Alex sich für das andere Zimmer entschieden hatte? Fernseher! Und das neue Zimmer hatte ja Schräge, also hätte er sich den Kopf stoßen können. Dass das fiese Zimmer eine viel schlimmere Schräge im Bad hatte, war ihm gar nicht aufgefallen.
Auf zum Essen. Wir konnten uns wieder nicht für ein Lokal entscheiden, also haben wir das falsche genommen. Na ja, so schlimm war´s auch nicht. Wir konnten halt nur die Speisekarte nicht richtig lesen. Alex wollte Kotelett, es kam leckerer Schinken. Ich wollte gegrillten Oktopus, es kam gekochter ohne Beilagen. Aber wir haben endlich Cidre probiert.
Wenn man schon nicht direkt am Wasser wohnt, muss man wenigstens einen Spaziergang zum Hafen machen. Etwas oberhalb stand sogar ein schöner Leuchtturm.


Freitag, den 06.09.02
Von Cudillero bis Burela
200 km, 39 LF, davon 6 LT

Da unser Tagesschnitt auf 33 LF gesunken war, ließen wir uns Zeit und fuhren erst um 10:00 los. Am Hafen war Markt. Alex holte an einem Bäckerstand leckere Sachen. Teigtaschen mit Fleisch oder Thunfisch gefüllt, süße Teilchen und leckeres Brot. Also erst mal wieder Picknick. Gelegenheit hatten wir genug. Es kam ein Leuchtturm und noch ein Leuchtturm und noch ein Leuchtturm....langweilig!
Mittlerweile waren wir in Galicien angekommen. Das Wetter war so gut, dass ich meine Jeans gegen ein T-Shirtkleid tauschen musste. An einer vielbefahrenen Straße rief Alex: "Halt , hier ist der Weg zum Leuchtfeuer!" Ich parkte halb im Straßengraben und Alex zog zu Fuß los. Als er zurück kam, hatte er eine hübsch gemusterte Hose. Er ist durch einen abgebrannten Wald gelaufen und war schwarz gestreift. Alex hat eine große Blase am Zeh. Wovon nur......?
 Eine unserer Reisebekanntschaften Wir suchten schon sehr früh eine Unterkunft, weil ein Industriegebiet vor uns lag und dort schlecht was zu finden ist. In Barela fanden wir ein Hostal mit einer großen Terrasse aber ohne normalen Zugang dazu. Also sind wir aus dem Fenster geklettert. Unterhalb der Terrasse war ein Garten, in dem 8 große Hühner, ein Hund und 2 niedliche Katzen wohnten. Wir haben ewig das Gebalge der Katzen beobachtet. War richtig spannend.
Als wir beim Besitzer das Zimmer bezahlen wollten sahen wir das Schild "Comedor", was Restaurant im Hinterzimmer bedeutet. (Michael) Also sind wir gar nicht weiter, sondern wollten nun hier essen. Wir nahmen direkt unter unserem Zimmer Platz und hatten wieder die schöne Aussicht auf den Hafen. Wir warteten auf die Speisekarte, aber der Besitzer leierte seine Schätze mündlich runter, wovon wir wieder nur die Hälfte verstanden. Diesmal war unsere Wahl aber gut. Wir bekamen riesige Kalbskoteletts, leckeren Salat und Pommes. Auch der Wein war preiswert und lecker.


Samstag, den 07.09.02
Von Burela bis Cedeira
263 km, 30 LF, davon 6 LT

Unsere heutige Tour begann wieder mit einem Leuchtturm. Danach folgte eine Aluminium-Fabrik. Ich stand mit dem Auto auf einer einsamen Schotterpiste, umgeben von dornigen Büschen und Bäumen, derweil Alex eine Lücke im Dickicht suchte. Und das mit sauberen Hosen. Wetten dass die nicht lange sauber bleiben? Das Wetter ist uns holt und kleine Alu-Partikel flimmern in der Sonne. Gesund ist das bestimmt nicht. Gerade kommt ein attraktiver Mann vorbei mit fast sauberem Beinkleid. Das kann nur meiner sein!
Nun begann eine Strecke an der die LF weit, teilweise 30km auseinander lagen. Viel Arbeit für den Fahrer, aber auch keine Ruhe für den Feuerer. Auf 268 km lagen zwar nur 30 Feuer, (zum Vergleich: An unserem Spitzentag waren 68 Feuer auf 238km.) aber die meistens waren nur zu Fuß durch Wälder oder Ähnlichem zu erreichen. Dank GPS fanden wir aber immer den Weg, der dem Feuer am Nächsten kam.
Der Wind frischte auf und es braute sich was über dem Meer zusammen. Nachmittags erreichten wir den nördlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, an dem natürlich auch ein Leuchtturm steht.
 Der Blick nach Süden - von Punta da Estaca de Bares, dem nördlichsten Punkt Spaniens Quartier wollten wir in Cederia machen. Auf dem Weg dorthin führte über einen Pass auf dem Kühe und Wildpferde grasten. Der Nebel kletterte über die Berge und der Himmel war phantastisch.
Im Ort San Andres war die Küstenstraße plötzlich gesperrt. Markt! Dadurch konnten wir leider nicht die romanische Kirche sehen.(die wir auch sonst nicht gesehen hätten!!) Über einem Umweg, mit 3 Bauern hinterm Steuer vor uns und einem Bus, erreichten wir Cederia. Leider war kein Zimmer mehr zu kriegen, weil die Spanier am Wochenende die Küste belagern. Wir fanden im Ort ein Hinweisschild dass eine Pension 12km außerhalb sein soll. Mit letzter Hoffnung hin. Diese schwand als wir den vollen Parkplatz sahen. Aber die Autos waren nur von Gästen, die im Lokal eine Hochzeit feierten. Unser Zimmer lag über dem Saal. Man versicherte uns das die Feier um 22:00 beendet sei. Das haben wir bei den feierwütigen Spaniern natürlich nicht geglaubt. Aber tatsächlich! Um 22:00 war Ruhe.
Wir versuchten unten im Lokal zu essen. Man hatte aber nur "Raciones". Wir hatten das schon oft gelesen, wussten aber nicht genau was eine Ration war. (Wir dachten an Cudellero und das bisschen Oktopus)
Es war genug! Ich hatte eine Portion Pommes mit Tintenfischringen und Alex eine Portion Kalbsbraten mit Bratkartoffeln und Erbsen.
Das gezapfte Bier war lecker und im Fernsehen lief das Länderspiel Griechenland gegen Spanien. Wir hatten keine Freunde an diesem Abend. Es fiel doch sehr auf für wen wir waren!


Sonntag, den 08.09.02
Von Cedeira bis La Coruna
277 km, 39 LF, davon 8 LT

Leuchtfeuertechnisch fing der Tag nicht gut an. 5 Leuchtfeuer in 4 Stunden! Normalerweise brauchen wir 3-4 pro Stunde für den Tagesschnitt. Es waren wieder Leuchttürme auf den Kaps und die liegen nun mal weit auseinander. In der Industriestadt Ferrol holten wir wieder auf. Zum Glück waren wir an einem Sonntag dort. Feierabendverkehr hätte ich da nicht erleben wollen.  Die Promenade in Santa Cruz  Die Gischt fast bis ins Hotelzimmer Als wir nach Ferrol in einem kleinen Ort feuerten, fiel uns auf dass die Wellen heute irgendwie höher waren. Alex hat sich auch prompt auf einer normalen Mole nasse Füße geholt, weil die Wellen überschwappten. In Sada hofften wir auf ein Quartier, aber - Fehlanzeige. Also weiter in Richtung La Coruna. In dem kleinem Ort namens Santa Cruz fuhren wir auf ein Hotel zu und sahen hinter dem Haus die Brandung an die Hafenwand klatschen. Alex ist sofort auf den Parkplatz gefahren und fragte nach einem Zimmer. Er kam begeistert wieder und sagte dass das Zimmer zwar teuer sei (48,-€) aber die Gischt würde bis auf den Balkon spritzen.
Und in der Tat: die Aussicht war klasse! Unter uns die Promenade, gegen die die Wellen donnerten. In der Bucht war eine kleine Insel mit einer Festung drauf, die durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden war und dahinter die Skyline von A Coruna. Es muss eine Springflut gewesen sein. Sogar die Einheimischen standen mit Fotoapparaten da. Die Kinder hatten ihren Spaß. Sie blieben so lange wie möglich am Geländer stehen, bis die Welle kam. Manche haben den Absprung nicht geschafft und waren pitschenass. Zwei Stunden dauerte das Spektakel, bevor die Ebbe das Meer wieder hinaus trug.
 Der Ausblick auf die Inselburg von Porto de Santa Cruz Nachdem die Flut langsam wieder zurück ging und Felsen und den kleinen Strand wieder frei gab, wollten wir den Ort erkunden. Wir kamen aus dem Hotel und sahen links einen Italiener. Da war die Erkundungstour schlagartig beendet und wir gingen erst mal Essen. Anschließend spazierten wir im Dunkeln auf die Mole, wo vorher das Wasser noch 3 m höher gestanden hat. Dann nahmen wir uns die Festung vor. Wir liefen über die Holzbrücke und umrundeten die kleine Insel bei Dunkelheit. Alex fragte nach einer Weile: " Bist du noch da? Ich hör´ dich gar nicht jammern!" So erfährt man was der Ehemann von einem hält! ;-))



Montag, den 09.09.02
Von La Coruna bis Camarinas
230 km, 39 LF, davon 9 LT

 Die Küste südlich von La Coruna - fast wie Skandinavien Das Feuern fing harmlos im Fischereihafen von La Coruna an. Für den industriellen Teil suchte ich mir einen Parkplatz, Alex feuerte per Rad und ich holte ihn anschließend auf der anderen Seite der Bucht wieder ab. Dann ging´ s zum angeblich ältesten Leuchtturm der Welt: Torre de Hercules. Dort sind schon einige Tanker an der Küste zerschellt. Mir hat der LT nicht gefallen, viel zu touristisch.
Weiter ging es an der Küste entlang. Die Landschaft wirkt skandinavisch. Tiefe Fjorde, Heide und Kiefernwälder. Die Leuchttürme lagen wieder weit auseinander. Auf der Fahrt kamen wir durch viele kleine Ortschaften mit traumhaften Stränden, ganz ohne Tourismus, zum Beispiel Laxe.
 Die Speicher, zu sehen in ganz Galicien - Hórreos Es gibt eine Besonderheit in Galicien: Die Menschen bewarten früher (und teilweise heute noch) ihre Vorräte in Horreos (Speicher) auf. Teilweise sind sie ganz alt, teils schön restauriert oder auch neu.Sie sind auf Stelzen gebaut, damit Ratten oder Mäuse die Vorräte nicht wegfressen. Jeder hat so ein Teil auf dem Grundstück stehen.
 Cabo Villano (D1736) Außerdem habe ich heute meinen Lieblingsleuchtturm gefunden: Cabo Villano.
Übernachtet haben wir in Camarinas. Der Ausblick aus dem Hostal war toll, aber das Haus war sehr hellhörig. Wir hofften in der Bar unseres Hostals essen zu können, aber die Bedienung leierte das Angebot sehr unfreundlich und unverständlich runter, das wir beschlossen, lieber woanders hinzufahren. Nächstes Lokal = geschlossen. Nächstes Lokal = kein Essen. Beim 3. Lokal hatten wir Glück. Es gab Kalbsschnitzel mit einer für Spanier untypischen Sahne-Champion-Sauce. Des Rätsels Lösung: Die Inhaberin war Halb-Schweizerin.


Dienstag, den 10.09.02
Von Camarinas nach Palmeira
320 km, 46 LF, davon 13 LT

Wir sind schön laut aufgestanden. Die Leute die uns nachts auf Trab gehalten haben, sollten auch um 8:30 aufwachen!
Heute hatten wir viele Kilometer vor uns. Zuerst ging es in die "Karpaten". Es gab keine direkte Küstenstraße. Wir kamen durch Ortschaften, die auf keiner Landkarte standen. Der nächste Ort, der ausgeschildert war, bestand wiederum nur aus 4 Häusern. Man fuhr quasi durch Kuhställe und über Misthaufen. Wir wussten nur durch GPS wo wir ungefähr waren. Und dann ging die Tankleuchte an! Ca 30 km von der nächsten größeren Stadt entfernt.
 Punta Sofocho (D1793) - Ausnahmsweise mal kein Wanderweg, sondern nur beinfleischforderndes Gestrüpp bis zum Leuchtfeuer Auf Umwegen fanden wir endlich die Tanke und fuhren zum Ende der Welt. So nennt man den Leuchtturm von Cabo Finisterra, dem westlichsten Punkt der iberischen Halbinsel. Von Finisterra aus sind die Auswanderer in die neue Welt gestartet. Außerdem ist der Leuchtturm ein Pilgerziel. Wer bis Santiago de Compostela gelatscht ist, ist ja noch lange nicht fertig. Echte Pilger gehen bis zum Ende der Welt.
Wir fuhren bequem mit dem Auto dorthin, allerdings mit Zwangsaufenthalt im Ort. Eine Prozession kam vorbei und der ganze Ort wurde abgesperrt. Wir nutzen die Zeit zum Kaffee trinken. Auf dem Rückweg vom Leuchtturm trafen wir die Prozession abermals. Man muss den Pilgern halt was bieten.
Am LT Monte Louro haben wir unser tägliches Picknick gemacht. Dann ging´s nach norwegischer Art weiter. Fjord rein, Fjord raus. Das brachte Kilometer. Eigentlich hatten wir uns Portosin als Übernachtungsort ausgeguckt. Das wäre das Ziel bei 30 LF am Tag gewesen. Aber in Portosin kamen wir bereits um 16:00 an. Das war doch zu früh für den Feierabend. Also weiter.
Es ist wie verhext. Den ganzen Tag sieht man ein Hostal neben dem anderen und ab 18:00 wenn man eins braucht, ist keins mehr zu sehen! Ich behaupte mittlerweile dass die Pensionsschilder aus Pappe sind, um uns in Sicherheit zu wiegen: Ja, ihr findet heute problemlos eine Bleibe!
Das erste Hostal was wir in der größeren Stadt Ribeira fanden, lag direkt an einer 4-spurigen Straße. Also weiter. In den nächsten zwei kleinen Orten fanden wir kein Hostal, aber weitere 4 LF. Dann haben wir es in Palmeira versucht und wurden in einer kleinen Nebenstraße fündig. Wir hatten wieder Balkon mit Fensterzugang.
Zum Essen fuhren wir zurück nach Ribeira weil Alex dort einen Italiener gesehen hat. Vorsichtshalber fuhren wir noch mal durch die ganze Stadt. Man könnte ja noch einen Chinesen finden. Und so war es auch! Sogar mit Parkplatz vor der Tür. Dort gab es sogar 2 Frühlingsrollen als Vorspeise und leckeren Weißwein.
Zurück auf unserem Kletterbalkon wurde uns von der Dorfjugend ein Fußballspiel auf dem Platz gegenüber geboten. Ein kleiner, ungefähr 6-jähriger Junge durfte auch mitspielen. Das Trikot ging ihm bis an die Waden. Er spielte schon richtig gut.


Mittwoch, den 11.09.02
Von Palmeira bis O Grove
171 km, 33 LF, davon 2 LT

Heute jährt sich das Attentat auf das World Trade Center. Die Bilder im Fernsehen lassen die Beklommenheit wieder hoch kommen. Aber - wir haben Urlaub. Zum Gedenken waren wir aber bei Mac Würg essen.
Es war der heißeste Tag des Urlaubs. Aber die Sonnenmilch hole ich für die letzten paar Tage auch nicht mehr raus!
Wir sind besser durchgekommen als erwartet. Nur noch 93 Leuchtfeuer, und dafür haben wir 3 ˝ Tage Zeit. Das ist gut zu schaffen.
 Felsenformationen unterm Leuchtturm Von Palmeira ging es den großen Fjord Richtung Villagarcia entlang. Die Landschaft war nicht mehr so aufregend. Oder haben sich unsere Augen nur daran gewöhnt? Ich freute mich schon darauf, ans offene Meer zu kommen. Auf der Insel Arosa, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist und in dem Fjord liegt, haben wir wieder Picknick am Leuchtturm gemacht und die Felsformationen bestaunt. Es sah aus wie die schwedischen Schären. Weil wir ja Zeit genug hatten, haben wir an einer Strandbude eine Kaffeepause eingelegt. Man soll sich im Urlaub ja auch erholen!
Auf der Halbinsel O Grove fanden wir ein tolles Quartier. Wir hatten ein großes Zimmer mit Fensterfront in Richtung Wasser und Insel A Toxa. Den schönen Aufenthaltsraum mit Schaukelstühlen und offenen Kamin hatten wir für uns alleine. Gegessen haben wir beim Italiener. Eigentlich wollte ich noch Tapas in einer Bar essen, aber ich war zu satt. Wir waren hier nämlich in einem großen Muschelzuchtgebiet und ich wollte die Muscheln doch wenigstens als Tapas-Portion probieren.



Donnerstag, den 12.09.02
Von O Grove bis Cangas
166km, 34 LF, davon 3 LT

Hilfe, wir haben viel zu wenig Leuchtfeuer über! Nur noch 26 am Tag. Wenn man bedenkt, dass wir mit 40 Stück Tagesschnitt angefangen haben...
 Blick vom Kap Sofocho, Standort dreier Leuchttürme Der Tag fing also ruhig an. Um nach 10:00 sind wir gemütlich gestartet und haben sofort beim ersten Feuer nach der Halbinsel ein Picknick veranstaltet. Das Wetter hatte sich wieder etwas verschlechtert. Das war gar nicht gut, denn heute hatten wir viele "Leuchtfeuer draußen" vor uns. Wir fuhren in Richtung Pontevedra, einem großen Handelshafen. Endlich waren wir wieder am offenen Meer. Dann folgten kleine Orte mit 1-2 LF, schöne, befahrbare Molen auf denen man auch wenden konnte und sogar die Fernsicht wurde etwas besser. Am Nachmittag kamen wir zu einem großen Kap, auf dem 3 Leuchttürme lagen. In der Straßenkarte war eine asphaltierte Straße eingezeichnet, doch es gab nur eine ausgewaschene Sandpiste. Für das Gehoppel wurden wir aber durch den Ausblick auf die grandiose Steil- und Felsküste entlohnt. Gut das wir so viel Zeit hatten, das Panorama zu genießen.
In Cangas wollten wir eine Bleibe suchen, doch bei der Ankunft waren wir bedient! Viel Verkehr, Stau, keine Parkplätze, eher eine Industriestadt als ein lauschiges Dorf. Fast am Ortsausgang sahen wir ein Hinweisschild zum Hostal "Playa". Wie der Name schon sagt lag es direkt am Strand. Wir hatten Glück und bekamen ein Zimmer mit Meerblick und Balkon. Der Balkon hatte Schiebefenster, so das man windgeschützt die Aussicht genießen konnte.
Alex zappte im Fernseher, kam mit Fernbedienung irritiert auf den Balkon, guckte, zappte, ging rein, kam wieder raus und sagte schließlich: "Unser Strand ist im Fernsehen!" In der Tat, es musste irgendwo eine Kamera hängen und die Promenade filmen. Alex rannte sofort runter um sie zu suchen.
 Cangas vom Hostal aus Er fand sie zwar nicht, aber ich konnte Alex doppelt live sehen!
Gegen Abend ging wieder die Lokalsuche los. Wir fanden nach einer Ewigkeit einen Chinesen. Zur Verdauung servierten sie einen Tresterschnaps. Ich wusste gar nicht dass Chinesen so starke Gebräue trinken! Danach wollten wir in eine Bar, aber Alex hatte Magenprobleme (der Tresterschnaps?) und so blieben wir auf unserem Balkon und zählten die LF von Vigo, die auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht blinkten.


Freitag, den 13.09.02
Von Cangas bis Panjon
135 km, 36 LT, davon 2 LT

 Punta La Meda (D1891) - Ein langer Fußweg führt zum Ziel Trödelnd sind wir um 10:00 los und hatten um 12:00 schon 10 LF. Wir sind einfach zu schnell! Aber wir hatten ja auch einen großen Hafen (Vigo) gefeuert. Für Autofahrer ist Vigo schrecklich. Ich war Alex dankbar das ich in einer Tiefgarage parken durfte und er die halbe Stadt per Rad gefeuert hat. Die restlichen Feuer ist Alex angefahren. Nach 12 Tagen im Auto mit 3000 km hinter sich, verliert man die Lust am Fahren. Das einzig Schöne an Vigo war der Mäc Würg.
Nach dieser Stärkung ging es in den Wald. In Galicien sind leider keine "Autobahnen" zu den Leuchtfeuern gebaut worden. Da heißt es Suchen, Feldwege finden, und - wenn es mit dem Auto nicht mehr weiter geht - das Molenrad in ein Mountain-Bike verwandeln. Ich las bereits das 3. Buch in diesem Urlaub und war für diese längeren Fahrradausflüge von Alex dankbar. Endlich mal mehr als 2-3 Seiten an einem Stück lesen!
In einem kleinen Ort zwischen Panjon und Bayona haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen. Wir hatten eine Suite mit kleinem Dachbalkon. Zum Essen sind wir dann nach Bayona rein. Endlich mal wieder spanisch essen.
Anschließend saßen wir mit einer Flasche Wein auf dem Balkon und Alex schob die Balkontür zu. Das war´s dann! Ausgesperrt! Die Tür ließ sich nur von innen öffnen. Natürlich hatte auch Alex die Zimmertür von innen abgeschlossen und den Schlüssel stecken lassen. Was tun? Zuerst kletterte er auf die Nebenbalkone aber dort waren die Türen erwartungsgemäß auch verschlossen. Also blieb nur der Weg über das Vordach! Alex hangelte sich vorsichtig darüber und sprang auf die Terrasse der Hausbesitzer. Nachdem diese sich von dem Schreck erholt hatten, es war schließlich schon 23:30, knackte der nette Herr die Zimmertür und rettete mich.



Samstag, den 14.09.02
Von Bayona bis Camposancos (portugisische Grenze)
77 km, 9 LF, davon 2 LT
523 km Fahrt Richtung Flughafen Madrid

 Die Küste nahe Portugal Um 11:00 sind wir ganz gemütlich los, denn die paar Feuer schafft man ja mit links. Die Küste Richtung Guardia ist sehr schon. Gerade Straßen, direkt an der Felsküste entlang. Obwohl kaum Wind wehte, war eine starke Brandung. Die Küste war durch die Gischt regelrecht eingenebelt. In Camposancos, dem Ort am spanisch - portugisischen Grenzfluss war dann das letzte Feuer.
Um 13:30 hatten wir nach 3177 km unsere 565 Leuchtfeuer geschafft.
Schweren Herzens verließen wir die Küste und machten uns auf den Weg nach Madrid.
Je weiter wir ins Landesinnere kamen, um so wärmer wurde es. Das Thermometer kletterte auf 29°. Zuerst war die Gegend bergig und karg. Dann kam eine große, über 100 km lange Ebene in der Getreide angebaut wurde. Felder, nichts als Felder. Die Autobahn ging schnurgerade über´s Land.
 Der Eine hat Gerümpel im Hinterhof - oder seinen privaten Garten Eden Wir fuhren in Tordesilla von der Bahn ab um eine Pension zu suchen. Leider machten die Hotelbesitzer selber Urlaub. Außerdem lief der halbe Ort in Trachten mit Stöcken bewaffnet rum. Es war wohl eine Art von Volksfest im Gange. Da sind wir lieber bis Medina del Campo weitergefahren. Dort fanden wir ein Hostal, was sehr schön eingerichtet war. Kein Wunder, denn in diesem Ort hatten wir 10-15 Möbelgeschäfte und Fabriken gesehen. Die Aussicht aus unserem Zimmer war etwas merkwürdig, wie der vermeintliche Besitzer auch. So ein schönes, geschmackvolles Haus und der Typ lief rotzend im Jogginganzug herum, putzte bei lauter Popmusik die Zimmer und wirkte sehr ungewaschen.
Nach ewigem Suchen fanden wir endlich ein Restaurant, ein Chinesisches, natürlich.
Zum netten Urlaubsabschluss hat man uns die falsche Rechnung gebracht, die wir aber prompt bezahlten, weil sie viel zu niedrig war.


Sonntag, den 15.09.02

Die letzten 150 km nach Madrid standen an. Weil wir so viel Zeit hatten, nahmen wir nicht die gebührenpflichtige Autobahn, sondern die Straße über den 1500m hohen Pass. Oben auf dem Berg tranken wir im Sonnenschein Kaffee und genossen die Aussicht (mehr die kurzen Röcke als die Gegend!)
Kurz vor Madrid war ein großes Einkaufszentrum ausgeschildert. Wir hofften dass es am Sonntag geöffnet hatte. Hatte es nicht! Aber Mäc Doof. Dort haben wir uns die Zeit um die Ohren geschlagen. Als wir den Laden verließen kam uns ein asiatisches Pärchen entgegen. Alex behauptete das sind die Chinesen aus Medina, die wollen das restliche Geld kassieren!
Um 14:15 gaben wir den Wagen ab, ohne dass sich jemand die Karre näher angeguckt hätte. Gut so, denn bei einem fiesen Schotterweg hatte ich ja Stücke der Unterverkleidung "verloren"!
Das Flugzeug war wieder überbucht, aber wir sind trotzdem mitgekommen. Bis zum Abflug vertrödelte ich mir die Zeit mit Zeitung lesen (endlich eine deutsche!) und Alex frönte seinem Dritt- oder Viert- Hobby: Flugzeuge fotografieren!
Im Flieger saß eine Frau mit Fischvergiftung neben uns. Die Ärmste bekam eine LH-Wolldecke und Alex war sofort scharf darauf. Schließlich mussten wir unsere Decke ja in Bilbao zurücklassen. Alex hat die Decke dann dezent geklaut.


Nachtrag:
Dieser Urlaub war einer der schönsten Feuerurlaube den ich je hatte. Alex brauche ich da wohl nicht fragen, für ihn ist ja jeder Urlaub mit Leuchtfeuern schön.
Obwohl ich vorher gedacht habe," So viele Leuchtfeuer schaffen wir nie!", ging alles wie von selbst. Nie hätte ich geglaubt dass wir unser Soll schaffen, und dann noch so entspannend! Vielleicht war es die schöne, beruhigend wirkende Landschaft, vielleicht das angenehme Klima. Fakt ist, dass ich mich bestimmt lange an diese 2 Wochen erinnern werde.